Kryptowährungen - ein Mehrwert oder doch nur ein Hype?

Arno Felix / Gian-Andrea Falk

Bitcoin und Co. machen seit längerem Schlagzeilen.
Doch wie wirken sich Kryptowährungen auf den Alltag aus? Und wie sind Kryptowährungen in der Steuererklärung zu deklarieren? Klare Antworten zu einem komplexen Thema.

Die Entwicklung und Ausbreitung von Kryptowährungen hat aberwitzige Formen angenommen. Mittlerweile gibt es weltweit weit über 3 000 verschiedene Kryptowährungen, und täglich kommen neue dazu. Im Trend ist, dass (grössere) Start-up-Unternehmen ihre eigene Kryptowährung ausgeben und so Investoren für ihre Projekte finden. Diese Crowdfunding-Arten können unterschiedlich ausgestaltet sein, indem sich die Investoren entweder am Eigenkapital beteiligen, ein Darlehen (Fremdkapital) oder eine Spende geben oder aber das Recht auf eine zukünftige Gegenleistung erhalten.

Die Kursentwicklung zeigt, dass Kryptowährungen einer grossen Volatilität unterliegen. Dies ist der Hauptgrund, warum sich diese Währungen bisher im Alltag nicht durchsetzen konnten.

Je länger, je mehr stellt sich auch heraus, dass die Blockchain-Technologie, auf welcher die Kryptowährungen basieren, mittelfristig die Wirtschaft stärker beeinflussen könnte als die Währungen selbst.

Heute kann festgehalten werden, dass der Hype um Kryptowährungen keine kurzfristige Modeerscheinung ist. Ob die heute bekannten Kryptowährungen jemals für den täglichen Gebrauch geeignet sind und somit die «normalen» Währungen in Bedrängnis bringen, ist schwierig einzuschätzen.

Bitcoins und Co. gehören in die Steuererklärung …

Die kantonalen Steuerverwaltungen haben sich zur steuerlichen Behandlung von Kryptowährungen offiziell geäussert und Merkblätter oder Praxisfestlegungen publiziert. Auch die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) berechnet mittlerweile die Steuerkurse für die in der Schweiz meistverbreiteten Kryptowährungen.

Bei der Frage, wo die Kryptowährungen in der Steuererklärung (Privatpersonen) zu deklarieren sind, besteht keine Einigkeit. Insbesondere Rechtsexperten vertreten die Meinung, dass es sich bei einer zivilrechtlichen Betrachtung von Bitcoin-Guthaben um «Rechte an der Sache», das heisst um bewertbare bewegliche Sachen handle. Folglich seien die Coins in der Steuererklärung als «übrige Vermögenswerte» aufzuführen. Unabhängig von der sachrechtlichen Definition empfehlen die Steuerverwaltungen aber im Interesse einer einfachen und leicht nachvollziehbaren Deklaration, die Kryptowährungen in der jährlichen Steuererklärung im «Wertschriftenverzeichnis» aufzuführen.

… doch wie deklariert man Krypto
währungen?

Kryptowährungen, für welche die ESTV einen «offiziellen» Steuerkurs ermittelt, sind in der privaten Steuererklärung mit diesem Steuerkurs zu deklarieren. Hat die ESTV keinen offiziellen Kurswert festgelegt, so ist die Kryptowährung zum Jahresendkurs derjenigen Handelsplattform einzutragen, über welche die Kauf- oder Verkaufstransaktionen ausgeführt werden. Anhaltspunkte für eine aktuelle Bewertung liefert auch die Website www.coinmarketcap.com. Ist kein aktueller Bewertungskurs ermittelbar, ist die Kryptowährung zum ursprünglichen Kaufpreis in Schweizer Franken zu deklarieren.

Am Beispiel des Bitcoins lässt sich gut zeigen, welche positiven wie negativen Auswirkungen die hohe Volailität haben kann:

Arno Felix, dipl. Wirtschaftsprüfer,
zugelassener Revisionsexperte

mehrwert:

«Vor allem bei grösseren Beständen
an Kryptowährungen macht
die Rücksprache mit einem
Steuerberater Sinn»

Kapitalgewinne durch den Verkauf von Kryptowährungen des Privatvermögens sind grundsätzlich steuerfrei. Dementsprechend können auch Verluste auf Kryptowährungen steuerlich nicht abgezogen werden.

Bei einer Nichtdeklaration von Guthaben an Kryptowährungen macht sich die steuerpflichtige Person strafbar (Steuerhinterziehung infolge der Verheimlichung von Vermögenswerten). Entsprechend sind die Bestände korrekt und vollständig in der Steuererklärung auszuweisen. Wurde dies bisher versäumt, wäre zu prüfen, ob eine straflose Selbstanzeige geltend gemacht werden soll.

Erhält jemand als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer Lohnzahlungen oder Gehaltsnebenleistungen in Form von Bitcoins oder anderen Kryptowährungen, so handelt es sich um steuerbares Erwerbseinkommen. Auch wenn jemand als Selbstständigerwerbender Kryptowährungen als Entgelt für seine erbrachten Lieferungen oder Dienstleistungen vereinnahmt, hat er diese als Einkommen aus Haupt- oder Nebenerwerb zu versteuern. Als Betrag aufzuführen ist der Wert zum Zeitpunkt des Zuflusses, umgerechnet in Schweizer Franken.

Das Schürfen (Mining) von Kryptowährungen durch Zurverfügungstellung von Rechenleistung gegen Entschädigung führt ebenfalls zu steuerbarem Einkommen. Gleiches gilt auch für vereinnahmte Transaktionsgebühren, Zinsen oder Dividenden. Fairerweise sollte sich der Steuerpflichtige aber in diesem Fall auch seine Aufwendungen (insbesondere Stromkosten) anrechnen lassen dürfen.

Die Kryptowährungen und das Geschäftsvermögen

Sind die Kryptowährungen steuerlich als Geschäftsvermögen zu qualifizieren, gilt für sie das Buchwertprinzip. Kursschwankungen sind in diesem Fall nach handelsrechtlichen Grundsätzen in der Buchhaltung zu erfassen. Dies bedeutet, dass gebuchte Kursgewinne als Ertrag der Gewinnsteuer unterliegen. Dementsprechend können gebuchte Kursverluste als Aufwand in Abzug gebracht werden.

Die Bitcoin-Bestände per Bilanzstichtag sind nach den Grundsätzen ordnungsmässiger Rechnungslegung zu bewerten. An
lagen mit kurzfristiger Haltein-tention- sind im Umlaufvermögen darzustellen und zum Marktwert zu erfassen. Anlagen mit langfristiger Halteintention sind im Anlagevermögen als Finanzanlagen darzustellen und entweder gemäss Niederstwertprinzip (Anschaffungswert oder tieferer Marktwert) oder zum aktuellen Kurs per Bilanzstichtag zu bewerten. Aufgrund der beschränkten Handelbarkeit rechtfertigt sich allenfalls ein Abschlag (ähnlich, wie dies steuerlich bei WIR-Beständen akzeptiert wird). Hier empfiehlt sich bei grösseren Beständen eine vorgängige Rücksprache mit der Steuerverwaltung.

Bei wesentlichen Beständen an Kryptowährungen ist es zudem empfehlenswert, die Umrechnungskurse in Schweizer Franken im Anhang der Jahresrechnung offenzulegen und allfällige grosse Effekte (Kursgewinne/-verluste) aufgrund der Volatilität zu beschreiben.

Die Vielfältigkeit von digitalen Vermögenswerten

Neben den vorgängig beschriebenen Kryptowährungen 
existiert eine grosse Zahl von digitalen Vermögenswerten (zum Beispiel Tokens) mit besonderen Merkmalen. 
Räumt ein Token seinem Eigentümer zusätzliche Rechte ein, welche über die Rechte «typischer» Kryptowährungen hinausgehen, so sind die Steuerfolgen individuell je nach den konkreten Merkmalen zu beurteilen.

Gian-Andrea Falk,
dipl. Finanzberater IAF

mehrwert:

«Curia informiert Sie gerne
über die Risiken und Mehrwerte von
Bitcoins und Co. – und über
die richtige Deklaration in der
Steuererklärung»

Die Blockchain-Technologie

Der Aufbau und die Transaktionen von Kryptowährungen basieren auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Die Blockchain enthält die Informationen zu sämtlichen in der Vergangenheit getätigten Transaktionen. Diese Technologie für die Aufbewahrung und den Zahlungsverkehr gilt als besonders sicher, da eine (nachträgliche) Manipulation der Datensätze aufgrund des dezentralen Netzwerkes kaum möglich ist. Kurz gesagt können Transaktionsblocks erzeugt werden, aber diese – und somit die Durchführung der Transaktion – werden erst ausgelöst und in die Blockchain eingereiht, wenn die Verifizierung durch die (Netzwerk-)Teilnehmer erfolgt ist. Die Blockchain ermöglicht somit, verbindlich eindeutige Transaktionsregeln für Parteibeziehungen festzulegen.

Smart Contracts

Die Grundidee der Smart Contracts ist die Nutzung der Eigenschaften der Blockchain-Technologie, um Rechtsbeziehungen digital festzulegen und abzuwickeln. Das Prinzip der Smart Contracts wurde erstmals bereits im Jahre 1996 diskutiert. Eine geeignete Umgebung zur Implementierung entstand erst ab dem Jahr 2009 durch die ersten Kryptowährungen. Blockchains, insbesondere die Ethereum-Blockchain, stellen eine gute Umgebung für Smart Contracts dar, weshalb diese heute auch hauptsächlich mit Kryptowährungen in Verbindung gebracht werden, da, einfach ausgedrückt, das eine nicht ohne das andere funktionieren kann. Zur Erstellung eines Smart Contracts muss dieser geschrieben und auf der Blockchain abgespeichert werden. Dazu braucht es Grundlagenwissen in Programmierung. Der Smart Contract basiert im Grunde auf dem «Wenn-dann»-Prinzip. Abbildung 1 veranschaulicht eine traditionelle Vertragsabwicklung. In Abbildung 2 wird eine Vertragsabwicklung aufgezeigt, welche auf einem Smart Contract basiert.

Abbildung 1: Standard-Vertragsabwicklung


(Grafik: in Anlehnung an T. Linder / A. Glarner)

Abbildung 2: Smart-Contract-Vertragsabwicklung


(Grafik: in Anlehnung an T. Linder / A. Glarner)

Ist der Smart Contract einmal erstellt und auf der Blockchain gespeichert, liegt dessen Ausführung alleine beim Netzwerk und kann nicht mehr geändert werden. Er führt sich komplett autonom aus, und es ist kein Einbezug einer Drittperson (Vermittler, Bank, Makler etc.) mehr für die Vertragserfüllung notwendig. Wichtig zu wissen ist, dass ein Smart Contract nicht intelligent ist, das heisst, er kann sich nicht selbstständig weiterentwickeln oder seinen Code an neue Bedingungen anpassen. Aufgrund dieser Eigenschaften kann er nebst dem Einsparen von Transaktionskosten sowie administrativem Aufwand auch das Vertrauensproblem zwischen den Vertragsparteien lösen. Mittels des dezentralisierten Netzwerkes sollte eine betrugssichere und zeitgleiche Verteilung der jeweiligen Leistung der Vertragsparteien gewährleistet sein. Besonders bei internationalen Verhältnissen, wo eine zeitgleiche/zeitnahe Leistungserfüllung der Parteien (zum Beispiel Ware gegen Geld) einen grossen administrativen Aufwand nach sich zieht, ist der Einsatz von Smart Contracts interessant.

«Der Code ist das Gesetz»

Bei den Smart Contracts und der zugrunde liegenden Blockchain handelt es sich um eine junge Technologie. Ihre Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten sind im digitalen Zeitalter sehr vielversprechend. Ein perfekt programmierter Code sollte eine einfache und sichere Abwicklung des Vertrages gewährleisten. Ein kleiner Fehler bei der Programmierung des Codes kann aber einen Missbrauch durch Hacker nach sich ziehen. Die Blockchain wird den Smart Contract – ob mit einwandfreiem oder fehlerhaftem Code – nach dem sogenannten «code is law»-Prinzip ausführen. Das heisst, massgeblich für die Ausführungen oder die Vertragsabwicklung ist einzig und alleine der Programmcode, welcher nicht geändert oder rückgängig gemacht werden kann. Zu diesen und weiteren Problemen gibt es noch keine Musterlösungen, da zuerst passende Gesetze und Richtlinien ausgearbeitet werden müssen.

FAZIT

Die Steuerverwaltungen haben auf die Entwicklung der Thematik «Kryptowährungen» reagiert und verschiedene Merkblätter oder Leitfäden publiziert. Im Vergleich zu den Vorjahren ist nun klarer festgelegt, wie Bestände an Kryptowährungen in Privat- und Geschäftsvermögen zu bewerten sind und was als Einkommen zu deklarieren ist. Aufgrund der weiterhin grossen Volatilität der Währungen empfiehlt es sich – vor allem bei grösseren Beständen –, mit einem Steuerberater Rücksprache zu nehmen; der Einfluss auf die Vermögens- oder Kapitalsteuer kann hier wesentlich sein.

Quellenangaben

Kanton Zug, Finanzdirektion, Steuerverwaltung; Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum, Tokens usw.) – Merkblatt Steuern für Privatpersonen vom 30. November 2017

Kanton Luzern, Dienststelle Steuern; Bitcoin & Co. und Steuern, 15. November 2017

Eidgenössische Steuerverwaltung; Kurslisten «Devisen – Banknoten 31.12.2016» sowie «Devisen – Banknoten 31.12.2017» vom 31. Dezember 2016 resp. 5. Januar 2018

BDO AG; Bitcoin – eine steuerfreie Währung?, Februar 2018

EXPERT Info, KMU-Praxisinformationen, Ausgabe 2/2018

EXPERTsuisse, Q&A Neues Rechnungslegungsrecht, 2017

Treuhand Suisse; Workshop «Kryptowährung – Rechtliche und steuerliche Aspekte» vom 13. Juni 2018

Thomas Linder und Stephan D. Meyer; Die steuerliche Behandlung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, publiziert in Zürcher Steuerpraxis, Heft Nr. 3, September 2017